Die wahrscheinlich erste soziologische Arbeit über das damals neue Medium Film wurde 1914 in Jena von Emilie Altenloh als Doktorarbeit veröffentlicht. Der Titel war "Zur Soziologie des Kino". Seitdem hat sich die Soziologie, die ebenfalls noch in den Kinderschuhen steckte weiterentwickelt, ebenso wie der Kinofilm. Beide stammen ungefähr aus der gleichen Zeit. Geboren um die Jahrhundertwende sind sie zum Beginn ihres zweiten Jahrhunderts aus der abendländischen Kultur nicht mehr wegzudenken. Dennoch ist die Menge der soziologischen Arbeiten zu Film und Kino überschaubar geblieben. Nach der Begründung dieser soziologischen Disziplin haben sich im zwanzigsten Jahrhundert noch einige Soziologen mit dem neuen Medium auseinandergesetzt, aber die meisten haben es ignoriert, selbst wenn sie, wie Luhmann, über die Massenmedien geschrieben haben. Wichtig scheinen unter anderem die Arbeiten von Bela Belazs, Siegfried Kracauer zu sein und in den letzten zwanzig Jahren haben sich in Deutschland vor allem Rainer Winter und kürzlich auch Markus Schroer mit dem Thema beschäftigt.
Stattdessen gibt es eine Fülle an Fachliteratur zum Thema Medientheorie. Dort wird, meinem aus einige Leseerfahrungen geschöpften Vorurteil folgend, vieles ein bischen, aber kein Medium intensiv betrachtet. Dabei sollte doch, gerade wenn man die zentrale These eines Klassikers der Medientheorie ernst nimmt, klar sein, dass man nicht einfach eine Theorie der Medien abliefern kann. "The Medium is the message." Muss dann nicht jedes einzelne Medium auf seine spezifischen Eigenheiten untersucht werden, um festzustellen, welche Botschaft damit verbunden ist? "Massenmedien" wird so zu einem leeren Etikett, das sich zwar schmissig kulturkritisch anhört, aber keine neuen Erkenntnisse zutage bringt.
Montag, 21. Juni 2010
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